Wolkenmaschine

Programm Landmarke zum Ende des Bergbaus auf der Halde Duhamel

Ort Ensdorf

Auslober RAG - Ruhrkohle AG

Auftragsart Ideenwettbewerb

Planung 2011

Entwurf Carsten Diez, Igor Torres

Kooperation Philipp Denkinger - Landschaftsarchitekt


    Aus dem breiten und flachen Tal der Saar herkommend erhebt sich, einem Tafelberg gleich, die Halde Duhamel. Über ihrem Gipfel scheint eine glitzernde Wolke für einen Moment stillzustehen. Doch diese Wolke ist ebenso künstlich, wie der Berg, über dem sie schwebt. So selbstverständlich uns Landschaften als Naturräume erscheinen, so sehr sind sie Konstrukte sowohl unserer Wahrnehmung als auch unserer kulturellen Entwicklung. Im Saarland hat die Kohle- und Stahlindustrie die Landschaft nachhaltig verändert und geformt. Im gleichen Maße wie die darin befindlichen Bauwerke, ist das Landschaftsbild Teil des kollektiven Gedächtnisses, untrennbar mit dem Begriff und der Erfahrung von Heimat verknüpft. So legen die Haldenberge topografisch Zeugnis ab von der 250 jährigen Geschichte des Bergbaus an der Saar und von industriellen Prozessen, in denen es entscheidend um Energie und Transformation geht. Das Material dieser Halden, Schiefer, Ton und Sandsteine, entstammt dem Erdinnern, der Tiefe. Es ist das Gegenbild der Grabung nach den Schätzen und Energien die diese birgt.

    «Wer das Wort ‹Wolke› ausspricht, denkt sich weder die Definition, noch ein bestimmtes Bild dieser Naturerscheinung. Alle verschiedenen Begriffe und Bilder derselben, alle Empfindungen, die sich an ihre Wahrnehmung anreihen, alles endlich, was nur irgend mit ihr in und außer uns in Verbindung steht, kann sich auf einmal dem Geiste darstellen, und läuft keine Gefahr, sich zu verwirren, weil der ‹eine› Schall es heftet und zusammenhält.» Wilhelm von Humboldt

    Wolken sind unscharfe Objekte, die als komplexe und zufällige Formen diffuse Vorstellungen und Bilder hervorrufen. Wolken können als Sinnbilder unserer Stimmungen erscheinen, als staunend machende Luftgebilde, oder auch als Metaphern, Projektionsräume und Zufallsbilder. Die Entstehung einer Wolke ist durch atmosphärische Übergänge zwischen Aggregatszuständen bedingt. Die Zufuhr von Energie bewirkt einen Übergang. Diese Verformung ist ein Akt der Transformation, in dem sich stoffliche Eigenschaften ablösen.

    Ein Industrievulkan, eine Energiemaschine? Die Möglichkeiten, die dieses sich ständig verändernde Bild in sich trägt, sind zahlreich und sie stehen für die Chancen, die Abenteuer und freiwerdenden Energien, die jede Veränderung birgt. Die Wolkenmaschine steht an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft: Ein grenzenloses Objekt, das die Wandlung vom traditionellen Industriestandort zur modernen europäischen Energieregion treffend beschreibt.